Dokus sind out!
Sind sie das?
Egal, ich mach sie trotzdem!

In einer Welt, in der Information zur Ware geworden ist,
in der die Wertigkeit von Informationen sich nicht mehr nach ihrem Gehalt, sondern nach ihrer Verwertbarkeit gemessen wird,
in der es wichtiger geworden ist etwas zu sagen als etwas zu sagen zu haben...
kurz: in einer Welt, in der Dokumentationen geprägt sind von ewig wiederkehrendem Nonsense
in dieser Welt ist es schon ein Aufbegehren, wenn versucht wird über Dokumentationen zum Nachdenken anzuregen.

Mir ist es wichtig, dass meine Produktionen nicht einfach nur zu einer Ware verkommen, sondern etwas vermitteln.
Daher arbeite ich mit meinen Protagonisten zusammen - ich mache keine Filme über sie sondern mit ihnen.
Mir geht es  nicht darum, einen Film möglichst gut zu verkaufen, sondern etwas damit zu transportieren.

Als Student der visuellen Anthropologie ist Film für mich darüber hinaus die Möglichkeit, Grenzen zu überwinden
und einen kulturellen Austausch zu ermöglichen. Die Beschränktheit meiner Selbst und die eurozentristische Sichtweise
meines Auges sind mir dabei bewußt - versuche ich sie doch zum Positiven zu benutzen. Mein Zielpublikum ist daher meist ein
europäisches - liegen hier doch meine Wurzeln und kann ich so die Fremdheit des außereuropäischen dem Vertrauten zuführen.

Was mich treibt, ist ein Wort.
Ein Wort, welches sich schon früh in mein Leben schlich, oft benutzt und doch fast zur Phrase verkommen.
Dieses Wort wieder mit etwas zu füllen, mit Deutungen, Erklärungen - das ist es, was sich wie ein roter Faden durch
meine Filme zieht und ziehen soll.
Dieses Wort heißt Solidarität.
 
Wieviele arbeiten bei gaenseklein.net?
Nimmst du auch Aufträge an?
Was kostet eine Auftragsarbeit?
Du gibst auch Schulungen. Macht dir das nicht Konkurrenz?
Warum arbeitest du hauptsächlich mit Open-Source Software?
Welche Vorteile siehst du in Open-Source Software?
Wieviele arbeiten bei gaenseklein.net, wer steht hinter dem Projekt?
Auch wenn ich teilweise mit anderen  Leuten zusammen arbeite (z.b. im tagesaktuellen Videojournalismus), so steht hinter gaenseklein.net-Produktionen nur eine Person.
Allerdings arbeite ich in den Projekten ja immer mit Protagonisten zusammen, so ganz alleine entstehen die Filme daher nicht. Ich bin es jedoch auch gewohnt, in Gruppen zusammen zu arbeiten.
Nimmst du auch Aufträge an?
Ja, aber nicht jeden. Ich arbeite selbstbestimmt und diese Selbstbestimmung ist mir wichtig. Wichtiger als Geld. Ich arbeite daher nur für Projekte, hinter deren Inhalten ich stehen kann. Das ist für mich mehr als nur ein Prinzip:
Eine Zusammenarbeit, wie sie bei Filmprojekten von Nöten sind ist nur dann möglich, wenn wir uns gemeinsam über die Ziele des Films unterhalten können. Oder anders ausgedrückt: Der Film kann nur dann gut werden, wenn ich mich mit seinen Zielen identifizieren kann.
Was kostet eine Auftragsarbeit bei dir?
Unterschiedlich. Da ich es gewohnt bin, ehrenamtliche Selbstausbeutung zu betreiben habe ich keine Festsätze sondern handele Vergütung mit den Projekten selbst aus. Ein Projekt für ein großes Charity-Unternehmen kostet daher natürlich mehr, als für eine kleine NGO, welche einen Werbeclip für ihr Kickstarter-Projekt brauchen. Wenn mir ein Projekt gut gefällt und ich gerade die Zeit und das Geld dazu habe, arbeite ich auch gerne ehrenamtlich.
Du gibst auch Schulungen? Machst du dir damit nicht Konkurrenz?
NGO´s und andere Organisationsformen wie Netzwerke etc. brauchen meist eine kontinuierliche videodokumentarische Betreuung. Diese über viele Jahre zu gewährleisten ist mir nicht möglich. Wenn ich solchen NGO´s und Netzwerken dann dadurch weiterhelfen kann, in dem ich deren Mitglieder darin ausbilde, selbst diese Arbeit zu erledigen, kann ich die Nachhaltigkeit solcher Unternehmungen viel besser unterstützen, als wenn ich versuche, mich selbst über Jahre zu verpflichten.
Kurz: Es gibt zu viel zu tun, also warum die Arbeit nicht auf viele Schultern verteilen?
Warum arbeitest du hauptsächlich mit Open-Source-Software?
Für mich ist Open-Source-Software mehr als nur kostenlos. Es ist eine andere Art, Produkte zu gestalten und gibt einen Einblick, wie eine verträglichere und menschlichere Produktionsweise aussehen könnte. Getreu dem Motto, dass die gewünschte Zukunft schon im jetzigen Handeln sich wiederspiegeln sollte, setze ich auf Produktionsmittel, die möglichst offen und gemeinschaftlich erzeugt wurden - und bei denen kommerzielles Interesse eher im Hintergrund steht.
Für kleinere NGOs ist es darüber hinaus oft von Vorteil, wenn sie bei Schulungen direkt den Umgang mit Software lernen, die nicht viel Geld kostet. Es ist schlimm genug, dass Hardware auf der Welt so ungleich verteilt ist, wenn das bei Software nicht so sein muss sehe ich keinen Grund, kommerzielle Software zu verwenden.
Welche Vorteile siehst du in Open-Source Software?
Open-Source hat gegenüber kommerzieller Software mehr Vorteile, als nur anfänglich den Geldbeutel zu schonen. Da das Interesse der Entwickler von Open-Source Software nicht primär im Geldverdienen steckt ist sie meist besser für spezielle Anwendungsgebiete geeignet, die bei kommerzieller Software außen vor gelassen werden. Da der Kundenkreis für eine solche Entwicklung zu gering wäre, als das hier investiert wird, ist es also gerade oft für diese Nischen besser geeignet als Software großer Hersteller.
Ein Beispiel: Mit der freien Schnittsoftware Cinelerra ist es möglich, aus relativ schwachen Rechnern einen Verbund zu bauen, mit dem dann sogar HD-Schnitt möglich wird. Die Speicherung der Schnitte (sog. EDL) erfolgt nicht etwa in einem proprietären Format, was nur von der eigenen Software verstanden wird, sondern wird im XML-Format abgelegt. Nachträgliche Änderungen sind also sogar mit Texteditor möglich (z.B. Austauschen von Clips mit gleichem Inhalt aber in unterschiedlicher Qualität - Bspw. HD-Schnitt auf schwachen Rechnern) und kann von anderen Programmen weiter verwendet werden.
Mit Linux als Betriebssystem ist es darüber auch möglich, noch über Jahre ein sicheres Betriebssystem zu haben, welches nicht pro Rechner Lizenzgebühren verlangt. Und bei manchen NGOs mit denen ich arbeite, ist Sicherheit ein wichtiger Faktor:
Ein vollverschlüsseltes Betriebssystem mit Schnittsoftware aufzusetzen, welches darüber hinaus noch für einen Schnittplatz gebraucht wird, der von mehreren Menschen benutzt wird etc. - all das ist mit Open-Source-Software möglich, innerhalb kürzester Zeit (i.d.R. 2 Stunden bis 1 Tag) aufzusetzen. Ganz ohne Lizenzkosten und Treibernervereien.
Versuch das mal mit Apple oder Microsoft.

Each one Teach one

Für langfristige Projekte ist es oft von Nöten eine dauerhafte Dokumentation zu gewährleisten.
Sowohl aus der Notwendigkeit heraus, neue UnterstützerInnen zu gewinnen, als auch um eine Transparenz über den bisherigen Verlauf des Projektes zu gewährleisten.
Dazu bietet sich Foto und Video als Dokumentationsmittel und das Internet als Distributionskanal natürlich an.
Um eine solche langfristige Dokumentation zu gewährleisten, ist es notwendig, dass die eigenen Mitarbeiter, Genossen, Freunde vor Ort in der Lage sind, dies zu bewerkstelligen.
Langjährige Erfahrung in der Wissensweitergebung (Skill-Sharing) auf internationalen Treffen und internationalen sozialen Zusammenhängen helfen mir dabei, dieses Wissen in Form von Workshops an Lernwillige weiterzugeben. Dabei arbeite ich grundsätzlich mit Open-Source Software, da das Geld meist dringender an anderer Stelle verwendet werden kann als es für Software auszugeben.
Folgende Kurse kann ich dabei in unterschiedlicher Tiefe in Deutsch, Spanisch und Englisch anbieten:
- Einführung in Videojournalismus (Kameraführung, Bildkomposition, Vorbereitung auf einen Dreh, Verhalten in unübersichtlichen Situationen)
- Bildbearbeitung mit Gimp
- Videoschnitt mit Cinelerra
- Einführung 2D und 3D-Animation mit Blender
- Datenschutz (Verschlüsselung, Umgang mit sensiblen Daten, Datensensibler Dreh)
- Aufsetzen eines sicheren Schnittrechners mit freier Software
- Interviewtraining (passiv und aktiv)

Filmprojekt "Zu Besuch in der KNISTERschool"

Filmprojekt "Die besetze Fabrik Cer.Sin.Pat."
Die KNISTERschool ist ein Spendenprojekt, bei dem an Schulen von und mit Kindern vom Kinderbuchautor KNISTER Geld gesammelt wurde, um damit den Bau einer Schule in einem kleinen Dorf namens Ottongkhua in Nordindien zu finanzieren. (mehr zum Projekt auf knister.com)
Die Aufgabe des Filmprojektes war, KNISTER bei seiner Reise zu Begleiten und diese Reise dokumentarisch festzuhalten. Den Kindern in Deutschland sollte mit dem Film ein Blick auf das von ihnen finanzierte Projekt gewährleistet werden. Die Aufgabe war recht anspruchsvoll, da das Zielpublikum hier ein Gemischtes war. Als primäres Zielpublikum sollte Schulunterricht in einer Grundschule dienen, welche entweder an dem Projekt teilgenommen haben oder aber es in Zukunft noch wollen. Als sekundäres Zielpublikum waren Erwachsene (insbesondere Lehrer) angegeben, die das Projekt unterstützen oder dafür gewonnen werden sollen.
Neben diesen schwierigen Zielvorgaben waren auch die Rahmenbedingungen äußerst schlecht:
Es war ein Null-Finanzierungsprojekt, d.h. außer Spesen für den Flug, Transport und Übernachtung vor Ort gab es kein Geld. Weder für ein Tonstudio, noch professionelle SprecherInnen etc. KNISTER hatte nur zwei Monate vor der Reise einen Schlaganfall und hatte sich von diesem auch noch nicht erholt, so dass die Reise anstrengend und Interviews/Statements mit ihm vor Ort fast unmöglich waren.
Neben den Indien-typischen Visumsschwierigkeiten kam noch hinzu, dass das Gebiet, in dem die Schule gebaut wurde eine Sperrzone ist. Ohne Sondergenehmigung nicht betretbar. Unsere Sondergenehmigung kam zu spät - so dass wir genau einen Tag nach der Eröffnung in der Schule ankamen. Und als Drehtermine hatten wir genau einen Tag, inklusive Hin- und Rückfahrt zur Schule, Vorsprechen bei lokalem Politiker etc.
Für vorbereitetes Drehen blieb da keine Zeit und so konnte keine Einstellung zweimal gedreht werden. Getreu nach dem Motto "Was du hast, hast du" musste ich so Filmen, was ich konnte. Dabei blieb in der Hektik oft nicht einmal Zeit, ein Stativ zu holen...

Um den unterschiedlichen Zielvorgaben gerecht zu werden unterteilte ich das Filmprojekt in drei Teile:
1. einen Hauptfilm, 30 min. max, der eine Geschichte erzählen sollte, damit er für Kinder interessant ist
2. einen Clip über das Dorf und das Leben in Ottongkhua, um es den Kindern in Deutschland näher zu bringen
3. einen oder zwei Clips mit mehr Details über das Schulprojekt die mehr die Erwachsenen interessiert.

In Argentinien gibt es mehr als 300 besetzte Fabriken, in denen die ArbeiterInnen nach der Schließung durch den oder die Eigentümer die Fabrik in eigene Hände übernahmen.
Auf einer Reise durch Uruguay und Argentinien besuchen wir verschiedene besetzte Fabriken und durch ArbeiterInnen angeeignete Firmen und stellen sie in Kurzform vor.
Anschließend ist geplant, einen größeren Film über das Phänomen der besetzten Fabriken zu schneiden, dies hängt jedoch von finanziellen Aspekten ab. In Kurzform: Dafür brauchts Spenden.
Das zweite Projekt, was wir besucht haben, ist die Cer.Sin.Pat. - Keramikfabrik ohne Chefs - in Cutral Co, Provinz Neuquen, im Süden Argentiniens.
Angefangen hat das Projekt als Einzelarbeit, inzwischen aber sind wir ein Team von zwei Leuten.
Zu Besuch bei der Keramikfabrik Cer.Sin.Pat. wollen wir Einblick geben in diese Welt der Selbstverwaltung und einen möglichen Ausweg für ArbeiterInnen auch in Europa aufzeigen. Die Cer.Sin.Pat. ist eine Keramikfabrik, welche seit fast 5 Jahren in Selbstverwaltung durch ihre ArbeiterInnen verwaltet wird und von ihnen nach hitziger Auseinandersetzung inklusive fehlenden Lohnauszahlungen wieder angeeignet wurde. Die ArbeiterInnen haben es geschafft, sich gemeinsam ihren Arbeitsplatz zu erhalten und produzieren bis heute. Segundo, Generalsekretär der Fabrik, erzählt von der Geschichte und erklärt die Arbeiterselbstverwaltung und Roberto gibt uns einen Rundgang durch die Fabrik. Spanischer Ton mit deutschen Untertiteln
Eine Deutsche Synchronisierung ist nicht vorgesehen.

Opensource-Software, die ich verwende

Ich verwende für meine Arbeiten ausschließlich Opensource-Software. Da ich es gewohnt bin mit Opensource Software umzugehen habe ich mir auch die Philosophie zu eigen gemacht, dass es nicht ein Programm gibt, was alles kann, sondern lieber für jeweilige Aufgaben spezielle Programme benutze. Das Zusammenspiel der Software muss natürlich gewährleistet sein. Nach Jahren Erfahrung im Videojournalismus muss ich sagen, dass es mit Opensource-Software möglich ist, schnelle und ansehbare Ergebnisse zu erzielen, auch wenn ich manchmal verzweifle aufgrund von Kompatiblitätsproblemen. Folgende Programme kann ich dabei besonders empfehlen:

Betriebssystem: Als Betriebssystem empfehle ich Linux Mint, ein Debian-System oder ein Debian-Derivat wie Ubuntu, auf dem alle folgende Software verwendet werden kann.
Schnittsoftware: Für Linux-Systeme empfiehlt sich zur Zeit Cinelerra. Ich verwende es in der Community-Version.
Untertitel: Aegisub eignet sich in meinen Augen besser zum Untertiteln als alle Schnittsoftware, die ich bisher gesehen habe. Kein Wunder, wurde sie doch von Anime-Fans erstellt.
(Titel-)Animation: Blender ist eine professionelle 3D-Animations-Software, die sich aber auch sehr gut für 2D-Animationen eignet.
Bildbearbeitung: Gimp ist eine freie Bildbearbeitungssoftware, die locker mit kommerziellen Produkten wie bspw. Adobe-Photoshop konkurrieren kann.
Codierung: FFmpeg nutze ich, um meine Filme endgültig zu codieren, z.B. für Vimeo. In diesem letzten Schritt brenne ich auch die Untertitel ein, da Vimeo und andere leider noch keine Untertitelformate unterstützen.
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